Veröffentlicht: 06. Januar 2020

Reform der Pflegeausbildung in 2020

Durch die demografische Veränderung in der Gesellschaft ist die Zahl an pflegebedürftigen Menschen und damit einhergehend der Bedarf an Pflegepersonal stark angestiegen. Der Sicherstellung von der Gewinnung und Ausbildung von neuen Pflegefachkräften kommt daher eine wichtige Bedeutung zu, um zukünftig allen Menschen die pflegerische Unterstützung zukommen zu lassen, die sie auch benötigen

Mit diesem Hintergrund wird die Pflegeausbildung ab 2020 in Deutschland reformiert zu einer „generalistischen“ Ausbildung. Die Berufe der Altenpflege, der Kinderpflege und Kinderkrankenpflege werden zu einem Berufsbild der Pflegefachkraft zusammengefasst. Im Laufe der Ausbildung wird den Auszubildenden dadurch vereinheitlichte Inhalte gelehrt, die sie zur Pflege von Menschen aller Altersstufen in allen Versorgungsbereichen befähigen und somit ihre zukünftigen Einsatzmöglichkeiten vergrößern. Die Reform soll zusätzlich eine Steigerung der Attraktivität und dadurch auch der Ausbildungszahlen erzielen, um den benötigten Bedarf der immer größeren Anzahl an Pflegefachkräften zu sichern. Durch die Einführung der neuen Pflegeausbildung in 2020 werden für den Übergangzeitraum von 2020 bis voraussichtlich 2025 zwei verschiedene Ausbildungssysteme in der Pflege koexistieren. Ab 2025 ist dann das alte Ausbildungssystem vollständig vom neuen System abgelöst.

Die generalistische Ausbildung wird im Gegensatz zum alten System ab 2020 einheitlich für alle drei Ausbildungsberufe über einen Ausgleichsfonds auf Landesebene finanziert, indem die anfallenden Kosten auf die Pflegeeinrichtungen und weitere Akteure mit unterschiedlichen Anteilen aufgeteilt werden. Dabei erhalten Krankenhäuser den größten Anteil von 57,24 %, Nutzende ambulanter und stationärer Pflegeeinrichtungen 30,22 %, das Land Nordrhein-Westfalen 8,94 % und die Pflegeversicherungen den geringsten Anteil von 3,60 %. Im Rahmen eines Umlageverfahrens entsprechend der gesetzlichen Regelung werden diese den Pflegebedürftigen oder den Patienten und Patientinnen in Form von Ausbildungszuschlägen in Rechnung gestellt und wieder refinanziert. Als Basis gilt der für das jeweilige Kalenderjahr zu ermittelnde Gesamtfinanzierungsbedarf, der von der jeweils zuständigen Stelle des Bundeslandes festgestellt wird. Darauffolgend erhalten die Einrichtungen einen auf sie individuell abgestimmten rechtsverbindlichen Umlagebescheid von der Bezirksregierung mit dem monatlichen Umlagebetrag, der im folgenden Kalenderjahr von ihnen zu leisten ist. Der beizutragende Anteil und Erstattungsbetrag der jeweiligen Pflegeeinrichtungen richtet sich nach der Anzahl der von ihnen beschäftigten Auszubildenden zu Pflegefachkräften. Die entstehenden Ausbildungskosten für die Pflegeschulen und Ausbildungsbetriebe werden in Form von festgelegten Ausbildungspauschalen je Auszubildenden festgestellt und durch Ausgleichszahlungen aus dem Fonds beglichen.

Da sich die Finanzierung der beiden Ausbildungssysteme voneinander unterscheiden, jedoch beide Systeme bis einschließlich 2025 koexistieren, muss es einen Übergang geben. Dieser Übergang von dem alten zum neuen System läuft sukzessiv ab. Dies bedeutet, dass der Beitrag für die Akteure zur bisherigen Finanzierung der Pflegeausbildung bis 2025 stetig sinken wird, während gleichzeitig der Beitrag für die Finanzierung der generalistischen Pflegeausbildung kontinuierlich steigen wird. Die unterschiedlichen Finanzierungsformen bedeuten auch, dass es Änderungen in der bilanzielle Behandlung gibt. In der Bilanz sind die Ausbildungszuschläge und die zu leistenden Abschlagszahlungen auf die Umlage des neuen Systems anders als bisherige Handhabung in den Pflegeeinrichtungen als „Durchlaufende Posten“ zu behandeln. Dabei kann die Verbuchung auf zwei verschiedene Weisen durchgeführt werden. Entweder werden die Einnahmen und Ausgaben über ein gemeinsames Konto verbucht und in der Bilanz wird ein „Wechselkonto“ eingerichtet, oder es werden jeweils getrennte Konten für die Aktiva und Passiva eingerichtet und am Jahresende saldiert als sonstige Forderung oder sonstige Verbindlichkeit ausgewiesen. Bei der Auszubildende Einrichtungen, die ein Erstattungsbetrag vom Fond erhält, sind diese Erträge als Umsatzerlöse nach § 277 Abs. 1 HGB auszuweisen.

Allgemein ist festzuhalten, dass sich im Vergleich zum alten Ausbildungssystem zeigt, dass ab 2020 die Festlegung des Ausbildungsaufschlags nicht mehr einheitlich auf Landesebene erfolgt, sondern individuell für die jeweilige Einrichtung zu berechnen ist. Die einzige Ausnahme bildet die Betreuung durch ambulante Pflegedienste. Hier bleibt es bei einem auf Landeseben festgesetzten einheitlichen Aufschlag. Das Ziel und der Fokus der Reform liegt abschließend darauf, die Anzahl an ausgebildeten Pflegefachkräften zu steigern, wie auch das mögliche Einsatzspektrum der Pflegefachkraft nach der Ausbildung auszuweiten und die Einsatzmöglichkeiten der Fachkraft zu flexibilisieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ihr Ansprechpartner:

Tharmarajah Chelliah, Dipl. Kfm., M.A., Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Geschäftsführer

Tharmarajah Chelliah

Dipl. Kfm., M.A., Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Tax Compliance Officer (C.H. BECK), Geschäftsführer

0251 322015-0
T.Chelliah

Ihr Ansprechpartner:

Christian Trost, Diplom-Betriebswirt (FH), Steuerberater, Geschäftsführer

Mark Müller

Diplom-Kaufmann, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Prokurist

02102 889969-0
Mark.Müller

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.